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15.12.2017

Physiotherapie: Ausgabenentwicklung und Inanspruchnahme – ein aktueller Überblick!

Anfang Dezember 2017 gab es zwei Veröffentlichungen, die für uns Physiotherapeuten interessant sind: Zum einen die Pressemitteilung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) zur Ausgabenentwicklung in der Gesetzlichen Krankenversicherung für die ersten drei Quartale 2017 und zum anderen einen Bericht über die Inanspruchnahme physiotherapeutischer Leistungen in Deutschland vom Robert Koch-Institut in Berlin.

Weiter steigender Finanzüberschuss bei den gesetzlichen Krankenversicherungen

Bis Ende September 2017 sind die Einnahmen der gesetzlichen Krankenkassen stärker gestiegen (plus 4,2 Prozent) als die Ausgaben (plus 3,7 Prozent). Damit hat die Gesetzliche Krankenversicherung in den ersten drei Quartalen des Jahres 2017 einen Überschuss von 2,52 Milliarden Euro erzielt. Insgesamt verfügen die Krankenkassen über Finanzreserven von 18,6 Milliarden Euro.  Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe bescheinigt den Krankenkassen gute Spielräume für hochwertige Leistungen bei attraktiven Beiträgen. "Es liegt nun in der Hand der einzelnen Krankenkassen, diese Spielräume im Sinne ihrer Versicherten auszuschöpfen", betont Hermann Gröhe.

Anstieg der Ausgaben für Heilmittel mehr als gerechtfertigt

Durch das im April 2017 in Kraft getretene Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG) sind im Bereich der Heilmittel endlich höhere Gebührenabschlüsse mit den Krankenkassen möglich. Diese Öffnung des Verhandlungsspielraums nach oben durch die Politik war längst überfällig, um die Situation der ambulant tätigen Physiotherapeuten zu verbessern und damit die therapeutische Patientenversorgung sicherzustellen.

Die ersten positiven Verhandlungsergebnisse bilden sich mit einer Steigerung um 5,7 Prozent auch im Ausgabenzuwachs der Gesetzlichen Krankenversicherung ab. 5,7 Prozent Steigerung im Heilmittelbereich entspricht 293 Millionen Euro Mehrausgaben bis Ende September 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Steigerungsrate in Bereichen wie zum Beispiel der ärztlichen Behandlung (plus 5,1 Prozent) und den Ausgabensteigerungen für Krankengeld (plus 5 Prozent) ergeben da allerdings ganz andere Eurobeträge. So entsprechen 5,1 Prozent bei den ärztlichen Leistungen mehr als 1,5 Milliarden Euro und die Steigerung beim Krankengeld entspricht 436 Millionen Euro.

Heilmittel machen nur drei Prozent vom großen Kuchen aus

Die Krankenkassen haben in den ersten neun Monaten des Jahres 2017 mehr Geld für Heilmittel ausgegeben – das ist gut und richtig so für uns Therapeuten, aber auch für unsere Patienten. "Die 4,4 Milliarden Euro pro Jahr für Physiotherapie in Deutschland sind gut investiert", betont Andrea Rädlein, Vorsitzende von PHYSIO-DEUTSCHLAND.

Nicht selten bezeichnen die Krankenkassen den Heilmittelbereich als Kostentreiber mit überdurchschnittlichem Ausgabenzuwachs. "Aus unserer Sicht ist dies aber - in Euros gesehen - weder korrekt noch spiegelt es das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Physiotherapie im Deutschen Gesundheitssystem wider", erklärt Andrea Rädlein. Denn: Die Gesamtausgaben für Heilmittel liegen mit rund 5,3 Milliarden Euro bei drei Prozent der Gesamtausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung. Nur für Vorsorge- und Reha-Maßnahmen sowie für Fahrkosten und Zahnersatz geben die Krankenkassen noch weniger Geld pro Jahr aus als für Heilmittel.

Physiotherapie ist gut investiertes Geld

Im Journal of Health Monitoring berichtet das Robert Koch-Institut in der Ausgabe 2017 2(4) über die Inanspruchnahme physiotherapeutischer Leistungen in Deutschland. Darin bestätigt das Institut, dass Physiotherapie ein wichtiger Teil der gesundheitlichen Versorgung in Deutschland ist.

Der Bericht zeigt auf, wie viel Prozent der Versicherten Physiotherapie in Anspruch nimmt, so heißt es: Laut Daten des GEDA 2014/2015-EHIS nehmen 25,5 Prozent der Frauen und 17,7 Prozent der Männer innerhalb von 12 Monaten physiotherapeutische Leistungen in Anspruch. Im Altersverlauf nimmt die Inanspruchnahme deutlich zu und erreicht ihren Höhepunkt in der Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen mit 30,7 Prozent bei den Frauen und 20,1 Prozent bei den Männern. Dabei überwiegen mit den Diagnosen "Rückenschmerzen" und "Arthrose" die Muskel-Skelett-Erkrankungen deutlich.

Der Bericht hebt hervor, dass physiotherapeutische Verfahren weit über die genannten Diagnosen hinaus Einzug in eine Vielzahl von medizinischen Leitlinien gefunden hat. "Die Leitlinienarbeit liegt uns als Verband seit Jahren sehr am Herzen, weil wir damit den Nutzen der Physiotherapie noch stärker in der Medizinischen Versorgung der Patienten in Deutschland verankern", so die Vorsitzende von PHYSIO-DEUTSCHLAND.

 

In der Erarbeitung von Leitlinien steckt sehr viel Engagement und Leidenschaft von zahlreichen Experten. Ehrenamtlich bringen sie ihr Wissen und den jeweils aktuellen wissenschaftlichen Stand zu einem Krankheitsbild für den Verband und damit für unsere Branche in die Diskussion mit Ärzten und anderen Berufsgruppen ein. "Ich habe großen Respekt vor dieser Arbeit und danke allen Kolleginnen und Kollegen, die hier für PHYSIO-DEUTSCHLAND aktiv sind, sehr herzlich für ihr Engagement", betont Andrea Rädlein.

Interessierte finden hier die aktuellen Veröffentlichungen des BMG und des Robert Koch-Instituts zum Herunterladen: